Fünf Fragen an: Katrin Vagt, Dozentin Hörakustik

Die Hörsystemversorgung von Menschen mit Demenz ist für Katrin Vagt mehr als Unterricht. Es ist ihr Herzensthema. Seit 2009 arbeitet die Hörakustik-Meisterin und ausgebildete Augenoptikerin an der Akademie für Hörakustik als Dozentin. Sie ist zuständig für die praktische Ausbildung der Lehrlinge und Meister in den Bereichen Otoplastik und Hörsystemanpassung. Vor sieben Jahren übernahm sie das Fach Psychologie und unterrichtet es in der Meisterfortbildung. Zudem führt sie Workshops online oder in Präsenz zum Thema Demenz durch. Mit ihrer Zusatz-Ausbildung zur Demenzbegleiterin ist sie bestens dafür qualifiziert. Wie wichtig es für Hörakustikerinnen und Hörakustiker ist, sich auf Menschen mit Demenz richtig vorzubereiten, weiß sie aus eigener Erfahrung.

1. Warum haben Sie sich für die Tätigkeit an der Akademie für Hörakustik entschieden?

Meine Dozententätigkeit gibt mir die Möglichkeit, meine Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben – und andere zu ermutigen, sich immer weiterzuentwickeln. So wie ich es auch gemacht habe. Der ursprüngliche Impuls kam von einem ehemaligen Berufsschullehrer, der mir zur Meisterfortbildung geraten und mich auf die Idee gebracht hat, an der Akademie für Hörakustik zu unterrichten.

2. War Psychologie Ihr Wunschfach?

Mittlerweile ist es das geworden. Ich absolviere gerade berufsbegleitend ein Fernstudium für psychologische Beratung, um noch tiefer ins Thema einzusteigen.

Der Umgang mit Menschen mit Demenz ist inzwischen mein Lieblingsthema. Durch meine persönlichen Erfahrungen mit der Demenzerkrankung eines Familienmitgliedes war es anfangs allerdings eine emotionale Herausforderung für mich, diesen Unterrichtsschwerpunkt zu übernehmen. Jetzt bin ich froh, dass ich mich dafür entschieden habe und mit meiner Arbeit andere für den einfühlsamen Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen sensibilisieren kann.

3. Was ist im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen wichtig?

Es braucht vor allem Empathie. Damit kann viel erreicht werden. Mit unsensiblen Reaktionen kann hingegen sehr viel kaputt gemacht werden. Man muss sich in Menschen mit Demenz hineinversetzen und verstehen lernen, wie das Nicht-Erinnern sich im Alltag auswirkt. Man sollte auf Missverständnisse oder ungewöhnliche Situationen so reagieren, dass niemandem etwas peinlich ist.

Beispielsweise neigen manche Menschen mit Demenz dazu, ihre Schuhe plötzlich auszuziehen. Als Reaktion auf Augenhöhe könnte man seinem Kunden dann einfach sagen, dass man sich freut, dass er sich wie zu Hause fühlt. Oder man zieht einfach auch die Schuhe aus.

Ziel ist es ja, den Menschen, der zu einem kommt, mit Hörsystemen zu versorgen, um seinen Hörverlust bestmöglich auszugleichen. Dafür muss man Vertrauen aufbauen. Das geht oft mit kleinen Gesten.

4. An was in Ihrer Dozententätigkeit erinnern Sie sich besonders gerne?

Ich hatte schon so viele tolle Gespräche und Begegnungen in den über fünfzehn Jahren, in denen ich an der Akademie für Hörakustik tätig bin. Bei einer Freisprechungsfeier hat sich mal eine Absolventin mit einer Blume bei mir dafür bedankt, dass ich ihr Mut für die Prüfung gemacht habe. Ich habe ihr gesagt, wenn man etwas wirklich will und dafür kämpft, kann man es auch schaffen.

5. Was schätzen Sie am Campus Hörakustik?

Die Zusammenarbeit mit jungen und älteren Kolleginnen und Kollegen. Man kann hier voneinander lernen. Der Campus Hörakustik gibt als zentraler Bildungsstandort der Branche viel Raum für Weiterentwicklung und den Austausch miteinander.