HörHanse Tage 2026: Geballte Expertise in Lübeck

Die Zukunft des Hörens stand am 10. und 11. Juni im Mittelpunkt der HörHanse Tage 2026 in den media docks Lübeck. Rund 120 Teilnehmende aus Wissenschaft, Klinik, Hörakustik, Bildung und Wirtschaft kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen rund um Hörforschung, Hörversorgung und innovative Technologien zu erleben. Die Akademie für Hörakustik beteiligte sich mit einem Workshop zu frequenzverändernden Maßnahmen in Hörsystemen.

Die HörHanse ist weit mehr ist als eine wissenschaftliche Plattform. Sie verbindet Forschung, Versorgung und Ausbildung mit dem gemeinsamen Ziel, Innovationen für besseres Hören voranzutreiben und die Lebensqualität von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen nachhaltig zu verbessern – dies verdeutlichte der Vorstandsvorsitzende des HörHanse e. V., Privatdozent Dr. Hendrik Husstedt, zum Auftakt der HörHanse Tage 2026 und gab einen Überblick über die Entwicklung des Vereins und seine zukünftigen Aktivitäten.

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau drückte bei der Eröffnung der zweitägigen Veranstaltung seinen Stolz über die Strahlkraft der HörHanse aus und würdigte die Bedeutung Netzwerks für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Lübeck. Er betonte in seinem Grußwort die Relevanz der interdisziplinären Zusammenarbeit und der bundesweit zentral in Lübeck stattfindenden Ausbildung für die Zukunft der Region.

Jan Lindenau, Oberbürgermeister der Stadt Lübeck, begrüßte die Gäste

Die HörHanse vereint Akteurinnen und Akteure entlang der gesamten Innovations- und Versorgungskette des Hörens. Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kliniken, Bildungseinrichtungen wie der Campus Hörakustik, Handwerk und Unternehmen arbeiten hier gemeinsam daran, das Hören besser zu verstehen, neue Technologien zu entwickeln und die Versorgung von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen weiter zu verbessern.

Vortragsprogramm mit großer fachlicher Bandbreite

Die fachliche Bandbreite der HörHanse Tage 2026 spiegelte diese Vielfalt wider. Insgesamt 14 wissenschaftliche Vorträge beleuchteten aktuelle Entwicklungen aus unterschiedlichen Disziplinen – von Hörimplantaten und robotergestützter Chirurgie über moderne Hörgeräteversorgung und Hörrehabilitation bis hin zu Musikwahrnehmung, neuronaler Verarbeitung und den Veränderungen, die Künstliche Intelligenz für das Hören bereits heute bedeutet

Den fachlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat von der Medizinischen Hochschule Hannover mit ihrem Vortrag „Schwerhörigkeit betrifft alle – vom einfachen Hören bis zum Hirnstammimplantat“. Sie zeigte auf, welche zentrale Rolle das Hören für die gesellschaftliche Teilhabe spielt und welche Möglichkeiten moderne Hörgeräte- und Hörimplantatversorgung heute bieten. Gleichzeitig plädierte sie für eine größere gesellschaftliche Akzeptanz und Sichtbarkeit von Hörsystemen und warb dafür, Hörbeeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen und zu versorgen.

Workshop der Akademie für Hörakustik zu MAOF-Verfahren

Vertieft wurden die Themen in vier interaktiven Workshops. Stefanie Ziegler, Arthur Holl, Dozentin der Akademie für Hörakustik, und Dr. Frederick Hahn, Leiter Abteilung Fort- und Weiterbildung der Akademie für Hörakustik, freuten sich über starkes Interesse an ihrem Workshop zum Thema „Frequenzverändernde Maßnahmen in Hörsystemen – Einstellung und objektive Kontrolle nach dem MAOF-Verfahren“.

In weiteren Workshops erhielten Teilnehmende zudem Einblicke in die Ableitung von Hirnströmen zur Sprachverarbeitung im Gehirn und erlebten die Live-Programmierung eines Cochlea-Implantats mit Patientinnen. Sie diskutierten derzeitige Verfahren der Hörgeräteanpassung und lernten neueste Entwicklungen in der Hörgerätetechnologie kennen. Diese Hands-on-Formate ermöglichten einen direkten Austausch zwischen Forschung, Ausbildung, klinischer Praxis, und Anwendung.

Sprachverstehen und Networking im Fokus

Der zweite Veranstaltungstag widmete sich unter anderem den Herausforderungen des Sprachverstehens in geräuschvollen Umgebungen, aktuellen Entwicklungen der Hörakustik sowie den neuronalen Grundlagen des Hörens. Die anschließende Keynote von Prof. Dorothea Wendt vom Eriksholm Research Centre zeigte auf, wie Höranstrengung und hörbezogene Ermüdung die Lebensqualität beeinflussen und welche neuen Forschungsansätze dazu beitragen können, diese Einschränkungen zukünftig besser aufzufangen.

Neben den wissenschaftlichen Inhalten stand die Vernetzung der vielen am Hören interessierten Disziplinen im Mittelpunkt. In Workshops, Diskussionen und persönlichen Gesprächen entstanden neue Kontakte, Projektideen und Perspektiven für gemeinsame Vorhaben. Die HörHanse Tage boten damit nicht nur Raum für Wissenstransfer, sondern auch für die Entwicklung neuer Kooperationen zwischen Forschung, Versorgung, Ausbildung und Wirtschaft, und für ein neues gemeinsames Nachdenken, was gutes Hören eigentlich ausmacht.

Postersession von Early-Career-Forschenden

Ein besonderer Schwerpunkt der HörHanse Tage lag auf der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Early-Career-Forschende präsentierten ihre Arbeiten an Postern und annoncierten ihre Projekte in unterhaltsamen Kürzest-Vorträgen, moderiert von Stefanie Ziegler, Dozentin der Akademie für Hörakustik.. Die Vielfalt dieser Beiträge verdeutlichte einmal mehr die Breite der Hörforschung und bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für neue Kooperationen.
Der von den Teilnehmenden gewählte Publikumspreis für das beste Poster ging an Pia Stoppe, Masterstudentin am Deutschen Hörgeräte Institut für das Projekt „Hardware- oder Verarbeitungsartefakte? Auf der Suche nach dem Ursprung des Hörgeräte-Nachteil bei Normalhörenden“.

Hör-Standort Lübeck für interdisziplinären Austausch

Der lebendige Austausch machte dabei vor allem eines sichtbar: die besondere Stärke des Hörstandorts Lübeck, an dem Forschung, medizinische Versorgung, Ausbildung und Praxis eng miteinander vernetzt sind. Die HörHanse Tage 2026 wurden von der HIC GmbH und dem HörHanse e.V. veranstaltet und durch die Projektförderung der Damp Stiftung sowie die Unterstützung des Hauptsponsors Widex ermöglicht.

Der HörHanse e. V. bündelt die Kompetenzen führender Akteurinnen und Akteure im Bereich Hören am Standort Lübeck. Mitglieder sind die Universität zu Lübeck, die Technische Hochschule Lübeck, die Musikhochschule Lübeck, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die Bundesinnung der Hörakustiker, die mit ihrer Akademie für Hörakustik, die Bundesoffene Landesberufsschule für Hörakustiker und Hörakustikerinnen, das Deutsche Hörgeräte Institut sowie das Unternehmen hear-concept. Gemeinsam fördern sie Forschung, Innovation, Ausbildung und Wissenstransfer rund um das Thema Hören.