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2016-10-27 10:57

Berufsausbildung zum/zur Hörakustiker/in

Die neue Ausbildungsordnung zum/zur Hörakustiker/in steht. Mit Veröffentlichung im Bundesgesetzesblatt am 2. Mai 2016 war das gut zweijährige Verfahren abgeschlossen; die neue Ausbildungsordnung trat zum 1. August 2016 in Kraft. In den Verhandlungen konnte die biha die Verfahrensbeteiligten, seien es die Sozialpartner, die beteiligten Ministerien, das Bundesinstitut für Berufsbildung oder die Kultusministerkonferenz, von ihren Änderungen überzeugen. Mit Augenmaß und Bedacht hat der Berufsstand die bisherige Ausbildungsverordnung überarbeitet und dort verändert, wo es notwendig war. Wie mit der alten Ausbildungsordnung wurde mit der neuen die Grundlage geschaffen, um in den nächsten 15/20 Jahren hochqualitativ und auf dem aktuellsten Stand der Branchentechnik auszubilden.

 

Sofort fällt die neue Berufsbezeichnung ins Auge: „Hörakustiker/Hörakustikerin“. Bereits sie trägt den aktuellen Entwicklungen Rechnung: Zum einen wird der Begriff „Gerät“ den heutigen hochkomplexen Mini-Computern nicht mehr gerecht. Und je mehr ihre Technik ermöglicht, desto wichtiger werden noch mehr Beratung und Dienstleistung. Deswegen stärkt die neue Ausbildungsordnung erneut den Dienstleistungsbereich. Gleichzeitig werden Diagnosen sowohl medizinischer wie technischer Art immer wichtiger für das Handwerk. Durch die Wegnahme des Wortteils „Gerät“ verschiebt sich die Akzentuierung entsprechend auf die Person und die Tätigkeiten des Hörakustikers.


Das Wichtigste zuerst

Die Ausbildungsdauer beträgt weiterhin 3 Jahre und weiterhin findet eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung statt. Inhaltlich ändern sich die Prüfungen jedoch deutlich. Zukünftig gibt es fünf Prüfungsbereiche:

  1. Audiologische Kenndaten von Patientinnen und Patienten
  2. Dreidimensionale Abbilder des äußeren Ohres und Otoplastiken
  3. Hörsystemanpassung und Patientenberatung
  4. Servicemaßnahmen
  5. Wirtschafts- und Sozialkunde.

Die Prüfungsbereiche sind unterteilt in einen schriftlichen und einen praktischen Teil. Ausnahmen gibt es im Bereich „Dreidimensionale Abbilder des äußeren Ohres und Otoplastiken“, der allein aus einer praktischen Prüfung besteht, und bei „Wirtschaft und Sozialkunde“, der nur schriftlich geprüft wird. Abgesehen davon werden schriftliche und praktische Prüfungsteile getrennt bewertet und gegeneinander mit unterschiedlichen Prozentanteilen gewichtet. Daraus ergibt sich die Benotung für den einzelnen Prüfungsbereich. Die Prüfungsbereiche selbst wiederum werden unterschiedlich für das Gesamtergebnis „bestanden“ bzw. „nicht bestanden“ gewichtet.

 

Für eine bestandene Prüfung muss das Prüfungsergebnis im Gesamtergebnis

  • mindestens ausreichend sein,
  • in mindestens vier Prüfungsbereichen mindestens ausreichende Bewertungen vorweisen und
  • in keinem Prüfungsbereich ein ungenügend erzielt werden.

Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist weiterhin möglich. Sie kann nur bei nicht bestandenem schriftlichen Teil abgelegt werden, wenn dies für das Bestehen der Gesellenprüfung den Ausschlag geben könnte. Wie gehabt wird das schriftliche Ergebnis und das der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis 2:1 gewichtet.

 

Die Auflistung der Berufsbildpositionen bleibt bestehen, wird aber statt in § 3, jetzt in § 4 aufgeführt. Aus den ursprünglich 23 Punkten sind 16 geworden, unterteilt in zwei Gruppen: zunächst die berufsprofilgebenden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, dann die integrativ zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten.

 

Dabei ist das Aufgabengebiet des Hörakustikers natürlich nicht kleiner geworden. Vielmehr haben sich weitere Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse in den letzten Jahren hinzuentwickelt bzw. weiterentwickelt. Die neue Auflistung ist der neuen Struktur von Ausbildungsverordnungen geschuldet, die nun handlungskompetenzorientiert formuliert werden. Gemeint ist, dass aus den Berufsbildpositionen die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Gesellen ersehen werden können und nicht jede einzelne grundlegende und wesentliche Kenntnis aufgelistet wird. Detailliertere Informationen sind dann dem der Verordnung angeschlossenen - und mit dieser abgedrucktem - Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum Hörakustiker/zur Hörakustikerin zu entnehmen. Schließlich gibt der Ausbildungsrahmenplan vor, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vor bzw. nach der Zwischenprüfung gelehrt werden sollen. Eine detailliertere Zeitaufteilung auf alle drei Jahre wie in der alten Verordnung gibt es nun nicht mehr. Die Unterteilung findet nur noch vor oder nach der Zwischenprüfung statt und gibt so selbstverständlich auch Hinweise dahin, welche Inhalte bei der Zwischenprüfung abgeprüft werden können. Auch der Ausbildungsrahmenplan ist entsprechend dem heutigen Duktus von Ausbildungsverordnungen als Handlungskompetenzen formuliert.

 

Was ist noch neu?

Löten fällt weg. Zumindest ist es nicht mehr Teil der Gesellenprüfung. Dennoch bleibt es eine Fähigkeit, die es sich zu erlernen lohnt. Tinnitus-Versorgung und Kinderversorgung waren bereits Teil der alten Ausbildungsordnung und sind nun konkreter ausgestaltet bei der Beratung aufgeführt. Neu ist auch die Berücksichtigung der CI-Versorgung als Teil der Beratungsleistung. Auch das inzwischen üblich gewordene Hörtraining fand im Rahmen der Beratungstätigkeiten Eingang in die Ausbildungsordnung. Und der Einzug der neuen Technologien findet sich wieder. Durch die Formulierung „Dreidimensionale Abbilder des äußeren Ohres erstellen“ ist gewährleistet, dass sowohl das bisherige herkömmliche Verfahren der Ohrabformung als auch Scanverfahren und bei der Herstellung der Otoplastik die bereits heute genutzte CAD-Technik Teil der Ausbildungsverordnung sind.

 

Als Ausbildungsbetrieb werden Sie sich bereits intensiv mit der Verordnung auseinandergesetzt haben oder dies spätestens mit dem nächsten Auszubildenden tun. Sie werden Ihren eigenen individuellen betrieblichen Ausbildungsplan erstellen (Mitglieder finden ein Muster hierzu auf der Internetseite der Bundesinnung im internen Downloadbereich.). Dabei ist die Umsetzung der neuen Ausbildungsordnung insbesondere in Bezug auf den Ausbildungsrahmenplan eine betriebliche Ausbildung. Der schulische Bereich ist separat in einem schulischen Rahmenlehrplan geregelt.

 

Wie gehabt findet neben der betrieblichen Ausbildung auch die überbetriebliche an der Akademie für Hörakustik statt. Insbesondere im Hinblick auf die Einführung und das Lehren der neuen Technologien wie CAD-Technik und ähnliches, aber auch die neu eingeführten Anforderungen in Bezug auf den Reinigungsbedarf des Ohres, wird (zunächst) schwerpunktmäßig bei der überbetrieblichen Ausbildung an der Akademie stattfinden. Die Akademie für Hörgeräte-Akustik bietet Lehrlingen, Meisterschülern sowie Hörakustikern, die sich fort- und weiterbilden wollen, hervorragende und weltweit einmalige Lern- und Arbeitsbedingungen. Als neutrales Ausbildungszentrum achtet die Akademie dabei ganz besonders darauf, die Vielfalt der Arbeitsmaterialien, Hörgeräte und Technik in der Branche abzubilden und immer auf dem aktuellsten Stand der Technik zu sein. Dies wird nicht nur in Deutschland und in der eigenen Branche geschätzt, sondern ist internationales und branchenübergreifendes Vorbild, ein „state of the art“. Nicht zuletzt haben China, die Türkei, der Nahe Osten und Südamerika bereits Kooperationen geschlossen, um vom Vorbild zu profitieren und ähnliches voranzutreiben.

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