Direktnavigation

Tinnitus | Grundseminar

Was ist Tinnitus?

Mit Tinnitus (lateinisch = klingeln, klingen) bezeichnet man Hörempfindungen unterschiedlicher Art, die nicht von einer externen Schallquelle erzeugt werden. Tinnitus kann sehr viele Ursachen haben, z.B. Lärm, Infektionskrankheiten oder erbliche Veranlagung. Ursachen für einen Tinnitus finden sich im Mittel- und Innenohr, bei Herzrhythmus-, Kreislauf- und Stoffwechselstörungen. Vor allem aber auch bei Anomalien im Bereich der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks, bei Stress und sonstigen psychischen Faktoren.

Fast 3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Tinnitus, darunter sind ca. 800.000 so ausgeprägt, dass sie einer intensiven ärztlichen Hilfe bedürfen. Die Betroffenen sind durch ihre Ohrgeräusche so massiv beeinträchtigt, dass bei ihnen ein erheblicher Leidensdruck entsteht, den der betroffene Patient ohne fremde Hilfe nicht oder nicht mehr bewältigen kann. Aufgrund einer Untersuchung der Deutschen Tinnitus Liga ergibt sich eine Zahl von ca. 2,9 Millionen betroffenen Erwachsenen mit subjektivem Krankheitswert in Deutschland mit spontan entstandenen und lang andauernden Ohrgeräuschen. Darunter sind ca. 1,5 Millionen mittelschwer bis sehr stark Betroffene bei ca. 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Es verwundert nicht, dass bereits 60 – 80 % aller Jugendlichen mit Ohrgeräuschen Erfahrung haben.

Tinnitus wird von Fachleuten nicht als Krankheit, sondern als ein auf eine Krankheit oder gesundheitliche Beeinträchtigung hinweisendes "Symptom" bezeichnet. Das bringt die Notwendigkeit mit sich, nach den denkbaren Ursachen zu forschen und zu ihrer Behebung beizutragen. Neben otogenen Ursachen müssen zusätzliche, außerhalb des Ohres gelegene Auslöser und Verstärkungsfaktoren individuell ermittelt oder ausgeschlossen werden. Die Diagnostik ist die Grundlage für die Beratung und ggf. Therapie des Patienten. Die Behandlung orientiert sich einerseits an der Ursache, andererseits am Zeitverlauf und dem Schweregrad. Richtet sich die Behandlung bei akutem Tinnitus im Wesentlichen auf die Möglichkeit einer vollständigen Beseitigung des Tinnitus oder einer deutlichen Minderung seiner Lautheit, ist bei chronischem Tinnitus dieses Ziel nur mit interdisziplinären Ansätzen zu erreichen.

Die Vorträge und Workshops in unseren Seminaren decken dafür eine große Bandbreite von fachspezifischen Themen ab. Es wird von den medizinischen und psychologischen Grundlagen bis zum praktischen Erfahrungsaustausch beim Retraining über verschiedene Aspekte der Rehabilitation referiert. Die interdisziplinäre Arbeitsweise spiegelt sich auch bei der Auswahl der Referenten wieder, die neben einer hohen Fachkompetenz vor allem über ein erhebliches Maß an praktischen Erfahrungen in der ambulanten und stationären Behandlung des Tinnitus verfügen.

Tinnitus - Retraining - Therapie

Die Therapie basiert auf dem Neurophysiologischem Modell von Prof. Jastreboff (Baltimore) und Dr. Hazel (London). Das Modell definiert den Tinnitus als eine zentrale Verarbeitungsstörung von Information. Dies muss zusammen mit den Reaktionen außerhalb des auditorischen Systems, besonders des autonomen Nervensystems, das die Körperfunktionen kontrolliert und des Limbischen Systems, das die Emotionen kontrolliert, gesehen werden. Die Kombination ergibt eine konditionierte Antwort, so dass der Tinnitus als ein unangenehmes Geräusch empfunden wird.

Bei dem subjektiven Tinnitus ist der Generator für das Geräusch das auditorische System, bei den somatorischen Geräuschen (objektiver Tinnitus) entsteht das Geräusch außerhalb des auditorischen Systems im Körper, z.B. durch Herzschlagen oder Muskelklicken. Hyperacusis allerdings ist ein Ausdruck einer übersteigerten Antwort auf Geräusche aus der Umgebung. Die Mechanismen sind sehr ähnlich. Das Ziel beim Retraining ist die Antwort umzukehren und schließlich die übersteigerte Verarbeitung zu reduzieren. Der Therapiezeitraum erstreckt sich über 1,5 bis 2 Jahre und setzt während dieser Zeitdauer eine intensive medizinische bzw. psychologische und physiotherapeutische Betreuung innerhalb eines Teams voraus. Apparativ begleitet wird diese Therapie bei einem speziell dafür geschulten Hörakustiker durch die regelmäßige Benutzung eines speziellen Rauschgenerators für Retraining (Masker oder Noiser) für ca. 6 Stunden täglich.

Apparative Tinnitus - Therapie

Neben der medizinischen und psychologischen Therapie, stellt die apparative Therapie eine mögliche Alternative dar. Seit langem ist bekannt, dass bei Vorliegen einer Schwerhörigkeit eine optimale Hörsystem-Versorgung in der Regel eine gute Tinnitustherapie darstellt. Durch Anhebung der Sprache sowie der natürlichen Umweltgeräusche wird die Wahrnehmung des Ohrgeräusches gemindert bzw. nicht mehr wahrgenommen.

Tinnitus-Grundseminar mit Workshop

Die Akademie für Hörakustik bietet Ihnen einen dreitägigen Workshop zum Thema Tinnitus und Hyperacusis an. Zielgruppe dieses Grundlagen-Workshops sind Hörakustiker, HNO-Ärzte, Psychologen und Therapeuten, die sich auf eine Tinnitus-Behandlung spezialisieren möchten. Er bietet Ihnen in einer kompakten Form einen Überblick über die verschiedenen Aspekte des Retraining.

Die Vorträge umfassen eine große Bandbreite fachspezifischer Themen. Dabei reichen die Themengebiete von den medizinischen und psychologischen Grundlagen bis zu einem praktischen Erfahrungsaustausch über verschiedene Aspekte der Rehabilitation. Die Rehabilitation Tinnitus/Hyperacusis erfordert eine interdisziplinäre Arbeitsweise. Sie spiegelt sich bereits bei der Auswahl der Referenten wider, die neben einer hohen Fachkompetenz vor allem über ein hohes Maß an praktischen Erfahrungen in der ambulanten und stationären Behandlung des Tinnitus verfügen.

Übersicht über die Vortragsthemen:

  • Funktionelle und pathophysiologische Grundlagen
  • Diagnose und Therapie auf Grundlage der ADANO-Richtlinien
  • Das Neurophysiologische Modell
  • Retraining
  • Möglichkeiten der Physiotherapie
  • Vorgehensweise bei der Tinnitus-Hörsystem-Anpassung
  • Gesprächsführung
  • Audiologische Messungen
  • Einsatz von Skalierung und nichtlinearen Hörsystemen
  • Maskierung und Retraining im Vergleich
  • Einsatz von Fragebögen
  • Fallbeispiele
  • Praktische Aspekte des Retraining
  • Schlafberatung

Arbeitsgruppen zu folgenden Bereichen:

  • Praktische Tipps für die Anpassung
  • Tinnitussysteme im Überblick
  • Progressive Muskelentspannung
  • Autogenes Training
  • Tinnitusmessungen
  • Hörübungen